Goldfisch

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Der Goldfisch ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Vor etwa eintausend Jahren im östlichen China durch züchterische Selektion entstanden, ist der Goldfisch das älteste bekannte Haustier, welches ohne direkten, wirtschaftlichen Nutzen als Haltungs- und Zuchtgrund gehalten wird.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale und Besonderheiten

Goldfische verfügen über ein knöchernes Skelett und erreichen je nach Zuchtform eine Gesamtlänge bis zu 35 Zentimeter. Für die Haltung in Aquarien gezüchtete Varietäten bleiben etwa ein Drittel kleiner. Als Auftriebsorgan dient ihnen die zweikammerige Schwimmblase, die im hinteren Teil durch einen Luftblasengang, dem Ductus pneumaticus, mit dem Vorderdarm verbunden ist. Wie alle Karpfenfische haben Goldfische keinen Magen. Goldfischkiefer sind zahnlos. Im Rachen sitzen jedoch kräftige Schlundzähne. Die mit dem weit vorstülpbaren Maul aufgenommene Nahrung wird zwischen diesen Schlundzähnen und einer ihnen gegenüber liegenden, sehr massiven knöchernen Kauplatte, dem sogenannten Karpfenstein, zerkleinert. Die eigentliche Verdauung findet ausschließlich im Darm der Fische statt.

Wie bei allen Vertretern der Gattung Carassius sind die besonders intensiv durchbluteten Kiemen aufgrund ihrer Struktur und Permeabilität an sauerstoffarmes Wasser angepasst. Der Goldfischkörper ist – mit Ausnahme der Varietätengruppe „Oranda“, die über einen unbeschuppten Kopfaufwuchs verfügt – vollständig beschuppt und mit einem vollständig ausgeprägten Seitenlinienorgan ausgestattet.

Systematik und Abstammung

Der natürliche Ursprung des Goldfischs war lange umstritten. Die anfängliche Annahme, er stamme von der Karausche, Carassius carassius, ab, ist inzwischen widerlegt.

Nach vorherrschender Auffassung, stammen Goldfische von dem weit über den eurasischen Kontinent verbreiteten Giebel ab. Diese in ihrem Erscheinungsbild äußerst variable Süßwasserfischart wurde später in die Gattung Carassius überführt.

Endgültige Klarheit werden erst vergleichende Untersuchungen des Erbguts von Giebel und Goldfisch schaffen.

Innerhalb der Karauschengattung hebt sich der Giebel durch die Fähigkeit zu gynogenetischer Fortpflanzung ab: Der Giebellaich muss nicht durch den Samen eines artgleichen Männchens befruchtet werden, es genügt das in das Ei eindringende Spermium einer anderen Karpfenfischart, um die Eientwicklung anzustossen. Zu dieser unvollkommenen Fortpflanzung sind auch die Goldfische befähigt und sie ist ein grundlegendes Instrument bei der Vermehrung sogenannter Hochzuchten (schleiferflossige Rassestandards). Letztendlich ist die Gynogenese auch der wichtigste Beleg für die Abstammung des Goldfischs.

Der Goldfisch als Neozoon

Goldfische sind typische Karpfenfische und verfügen, ausgenommen die anatomisch und organisch veränderten Zuchtformen, über alle Körpereigenschaften und Verhaltensweisen des Giebels. Das heißt, sie sind Generalisten, die sich in sämtliche Süßwasserbiotope außerhalb der polaren Zonen einnischen können. Aus den verschiedensten Gründen durch Menschen ausgesetzt, ist der Goldfisch darum ein weltweit verbreitetes Neozoon, das mit der ursprünglichen Fischfauna erfolgreich konkurriert. Goldfische leben mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten, auf Inseln und haben sich aufgrund ihrer hohen Salinitätstoleranz auch Brackwasserbereiche erschlossen.

Bedeutung

Normale Goldfische und alle daraus abgeleiteten Varietäten sind die weltweit am meisten verbreiteten und gehandelten Haustiere. In seinem Ursprungsland China und in Japan hat sich die kulturelle Bedeutung als Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol erhalten. Im letzten Jahrhundert waren Goldfische wichtige Versuchstiere der physiologischen und verhaltenskundlichen Forschung.

Bedeutung in der Aquaponik

Goldfische werden vor allem in kleineren Anlagen als reine Stickstofflieferanten gehalten, wenn der Betreiber keine Haltung von Speisefischen verfolgt.

Da sie auch mit sauerstoffarmem Wasser zurechtkommen, gelten sie als einfach zu haltende Besatzfische. Häufig werden sie auch zum Einlaufen eines neuen Systems gehalten und danach durch anspruchsvollere Nutzfische ersetzt.

Literatur

  • Herre W., Röhrs M.: Haustiere – zoologisch gesehen. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8274-0722-2.
  • Neumeyer Chr.: Das Farbensehen des Goldfisches /Eine verhaltensphysiologische Analyse (Habilitations-Schrift), Georg Thieme Verlag (Thieme Copythek), 1988.
  • Piechocki R., Der Goldfisch. Neue Brehm Bücherei-Westarp, 1990, ISBN 3-7403-0244-5.
  • Pullian S., Smith P.J.: Identification of Hybrids between Koi (Cyprinus carpio) and Goldfish (Carassius auratus). New Zealand Journal of Marine and Freshwater Research, 1987, Vol. 21: 41-46.
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  • Steinle C.-P., Lechleiter S.: Goldfische für Gartenteich und Aquarium. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-7481-2.
  • Sterba G.: Süsswasserzierfische der Welt. Weltbild Verlag, Augsburg 2002, ISBN 3-89350-991-7.
  • Teichfischer B.: Goldfische in aller Welt. Tetra Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-89745-095-X.
  • Linné, Carl von (1766): Systema naturae. 12. überarbeitete Auflage: 527.
  • Bloch, M. E. (1785 - 1795): Naturgeschichte der ausländischen Fische.
  • Kraus, O. (2000): International Commission on Zoological Nomenclature (Hrsg.): Internationale Regeln für die Zoologische Nomenklatur. Angenommen von International Union of Biological Sciences. Offizieller deutscher Text. 4. Auflage. Goecke und Evers, Keltern. ISBN 3-931374-36-X.

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